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Andreas Johann Hartweg

Dahlie
"Aus Fehlern wird man klug,"
wie wahr diese Redensart ist, wurde mir deutlich durch einen Fehler auf meiner Homepage, www.crocoll.net/Dahlien. Ich schrieb im Menüpunkt über die Geschichte der Dahlien: "1808 erste gefüllte Dahlie durch Karl Theodor Hartweg in Karlsruhe" Gleich zwei Fehler haben sich da eingeschlichen: Karl wird richtig mit C, also Carl, geschrieben, und außerdem ist es in diesem Zusammenhang der falsche Herr Hartweg.
Als ich über die Geschichte der Dahlie für meine Homepage recherchierte, stieß ich immer nur auf den Namen Hartweg oder Hartwig, und weil es nur über den Garten-Inspektor Karl Theodor Hartweg nähere Informationen gab, schrieb ich die erste gefüllte Dahlie diesem zu, auch wenn die Jahreszahlen nicht stimmten, ich vermutete fälschlicherweise, dass der Vater genauso hieß.

Diese Fehler fielen Herr Theodor Hartweg auf, dem Ur- Ur-Enkel desselben, und in einem sehr interessanten Telefongespräch wurde alles richtig gestellt und ich erfuhr mehr über die beiden interessanten Garten-Inspektoren Hartweg meiner Heimatstadt.

1806 wurde Andreas Johann Hartweg, geb. 1777, Garten-Inspektor in Karlsruhe und züchtete dort 1808 die erste gefüllte Dahlie. Carl Theodor Hartweg, sein Sohn, wurde am 18. Juni 1812 in Karlsruhe geboren und starb am 3. Feb. 1871 in Schwetzingen. Er war ebenfalls Garten-Inspektor in Karlsruhe, aber auch Pflanzensammler für die RHS, Royal Horticultural Society in London, worüber Herr Hartweg noch Unterlagen besitzt.

Während der Amtszeit von Andreas Johann Hartweg entstand der Neue Botanische Garten nach Plänen des Architekten Friedrich Weinbrenner mit Orangerie, Warm-, Kalt- Anzucht-Häusern und einem entsprechenden Freiland. 1825 gab Andreas Johann Hartweg ein Buch heraus: "Hortus Carlsruhanus oder Verzeichniss sämmtlicher Gewächse welche in dem grossherzoglichen botanischen Garten zu Carlsruhe cultivirt werden: nebst dem Geschichtlichen der botanischen und Lustgärten von 1530 - 1825 und einem Situationsplan von sämmtlichen Gewächshäusern." Dies konnte ich in der Landesbibliothek in Karlsruhe ausleihen, und es war ein wunderbares Gefühl, es in Händen zu halten und faszinierend, darin zu lesen, die Geschichte wurde lebendig. Er setzte diesem Verzeichnis einen Sinnspruch voraus:

"Nahe und fern entspriesst auf Höhen und unten im Thale. Dort an wärmendem Licht, und hier im kühlenden Schatten. Mutter Natur, die blühende Schaar von fröhlichen Kindern. Aber sie sammelt und pflegt in wohl verwahreten Räumen Emsig des Gärtners Hand, und reiht sie kunstreich nach Classen. Auch was die Sonne des Süds, was unter des Nordens Eisrinde Da so üppig erblüht, und dort so kümmerlich weilet. Jemand ward, wie sich gebühret, hier seine gedeihliche Stelle. Möge des Forschers Aug gern unter den Pfleglingen weilen. Möge der Freund der Natur unserer Blühten sich freun!"

Besonders gespannt war ich, ob ich wohl im Verzeichnis die Dahlie finden würde, und tatsächlich, es wurde auf Georgine verwiesen und da war zu lesen:

Georgine
1. coccinea, scharlachrothe W4 CH
Dahlia coccinea Cav.
2. - b.crocea, safrangelbe W4 CH
3. - c. flava gelbe W4 CH
4. variabilis veränderliche W4 CH

Plures varietates simplicis et plenis mit vielen einfachen und gefüllten Spielarten

W4 = ausdauernd
CH = Cap Haus - welche im Winter 5-6°C Wärme erfordern

Wie ging es aber weiter mit dieser gefüllten Dahlie aus Karlsruhe? Am Telefon erfuhr ich von Herr Hartweg, dass sie zuerst nach Berlin gelangte.

Also lieh ich mir über Fernleihe ein Buch aus Berlin aus, und zwar die "Allgemeine Gartenzeitung". Eine Zeitschrift für Gärtnerei und alle damit in Beziehung stehende Wissenschaften". Herausgegeben wurde sie 1833 von Christoph Friedrich Otto, Königl. Preuß. Garten-Direktor und Inspector des botanischen Gartens zu Berlin, und Albert Dietrich, Dr. der Philosophie und Lehrer an der Gärtner-Lehranstalt zu Berlin. Darin gab es einen Artikel von Friedrich Otto mit dem Titel: Beitrag zur Kultur und Eintheilung der Georginen, nebst einem Verzeichnis ihrer vorzüglichsten Abarten:

"Im Kew-Garten zu London wurde diese Pflanze bereits 1789 eingeführt. In den Jahren 1803 und 1804 kam sie nach dem hiesigen botanischen Garten. Willdenow erhielt Knollen aus dem botanischen Garten zu Madrid, und Samen von Mexico durch Alexander v. Humboldt. Im Jahre 1808 theilte mir der Garten-Inspector Hartwig zu Karslruhe die erste gefüllte Georgine mit, die hier großes Aufsehen machte."

Wie man sieht, passierten schon damals Fehler, denn die richtige Schreibweise ist Hartweg und nicht Hartwig.

Von Berlin ging der Weg der gefüllten Georgine weiter nach Erfurt und von da nach Bad Köstritz zu Christian Deegen.

Ich freue mich, auf diese Weise Herr Theodor Hartweg kennen gelernt zu haben und danke ihm für seine Informationen und Berichtigungen. Für mich war es eine spannende Geschichte und interessant zu sehen, wie viel man doch durch Fehler lernen kann.

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